Der Unterschied zwischen klassisch und agil

Wie sähe ein und dasselbe Unternehmen klassisch und agil aus?

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Anhand des konkreten Beispiels einer Softwarefirma, die ein breites Sortiment an Computerspielen entwickelt, werden die Unterschiede zwischen klassischer und agiler Organisation deutlich. Abgesehen von der agilen Organisation selbst ist hier auch die Anwendung der DevOps-Prinzipien denkbar.

Agile Organisation

In einer agilen Organisation gäbe es unabhängig voneinander arbeitende Einheiten, die sich beispielsweise nach Genres aufteilen. Eine Einheit ist im Genre „Adventure“ unterwegs, eine andere macht das Genre „Strategie“. Jede Einheit entwickelt ihr Computerspiel (weitestgehend) unabhängig von den anderen und verfügt über die entsprechenden Experten, die es dazu braucht. Nur wenige Einheiten hätten eine übergreifende Funktion, so wie etwa die Buchhaltung des Unternehmens.

Klassische Organisation

Klassisch und somit originär aufgebaut, gäbe es in dieser Softwarefirma keine genreabhängigen Organisationseinheiten. Sondern das Unternehmen wäre nach einem hierarchischen Organigramm aufgebaut, welches aus mehreren Ebenen besteht. Gleichartige Aufgaben werden in einer Einheit zusammengefasst. Ganz oben findet sich die Unternehmensspitze ein, also der Vorstand und Geschäftsführer. Auf der Ebene unter ihnen kommen die Leiter der einzelnen Unternehmensbereiche und darunter wiederum die Mitarbeiter. Das bedeutet auch, dass es nicht mehrere Entwicklungsteams gibt, die sich jeweils speziell um ein Genre und ein Spiel kümmern. Sondern, dass es beispielsweise genau eine Software-Entwicklungsabteilung in dem Unternehmen gibt, die sich prinzipiell allen Genres und allen Spielen annimmt.

Was passiert in wesentlich größeren Unternehmen?

Je nach Organisationstiefe und Unternehmensgröße können noch weitere Ebenen mit weiteren Vorgesetzten eingebaut sein. Etwa dann, wenn es sich um einen internationalen Konzern handelt, der sich in kontinentale Gebiete oder voneinander getrennte Geschäftssegmente aufteilt. In dem Fall der geografischen Organisation gäbe es beispielsweise jeweils eine Marketingabteilung je Kontinent. Diese wäre für alle Marketingaktivitäten aller Spiele auf dem jeweiligen Kontinent zuständig. Sind für ein Genre oder ein spezielles Spiel Anpassungen im Marketing sinnvoll, so bedarf es einer Ausnahme für diesen Einzelfall sowie einer aufwändigen Abstimmung.

Bei einer agilen Organisation wäre der Marketingexperte genau einem Genre zugeordnet und würde hierfür passgenau weltweit gültige Strategien entwickeln. Damit besitzen agile Organisationen die beiden Vorteile der schnellen Reaktionsfähigkeit und der situativen Anpassungsfähigkeit („Passgenauigkeit“). Die Spezialisierungsvorteile einer kleinteiligen Arbeitsorganisation können sie allerdings nicht erreichen. Gleiches gilt für starke Erfahrungskurveneffekte, die eine hohe Anzahl gleichartiger Geschäftsvorfälle voraussetzen. Damit hängt es also wesentlich von der Variabilität und der Änderungsgeschwindigkeit des externen Umfelds ab, welche Organisation vorteilhaft ist. Agile Organisationen passen sich schneller und besser an. Ist diese Anpassung hingegen nicht erforderlich, performen klassische Organisationen tendenziell besser.

Hierarchie, Organigramm
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Wann und warum sind agile Organisationen sinnvoll?

Geänderte Rahmenbedingungen können extern wie auch intern auftreten. Ein Beispiel für externe Rahmenbedingungen sind Marktgegebenheiten, die eine schnelle Reaktion erfordern. In einer klassischen Organisation erfordern die in diesem Zusammenhang notwendigen Anpassungsvorgänge einen hohen Zeitaufwand. Unter anderem durch das notwendige Einbeziehen vieler hierarchischer Ebenen. Diese langen Wege fehlen bei der agilen Organisation, da sie auf die Erstellung und den Betrieb ihrer Produkte fokussieren.

Typische Kandidaten für eine agile Organisation sind neugegründete Startups oder Internetfirmen. Behörden, Großunternehmen und beispielsweise Unternehmen aus der Produktion oder Landwirtschaft sind eher Kandidaten für die klassische Organisation mit festen Hierarchien und klar geregelten Weisungsbefugnissen. Hierzu haben wir ein Beispiel aus der Baubranche (Hamburger Hochbahn) zusammengefasst. Aber wann sind agile Organisationen denn tatsächlich sinnvoll? – Genau wie beim klassischen und agilen Projektmanagement ist es so, dass keine der beiden Optionen grundsätzlich besser oder schlechter ist. Es geht vielmehr um den individuellen Anwendungsfall. Bezüglich des Projektmanagements und der Frage, wann welche Art dessen besser ist, lesen Sie gern diesen Abschnitt samt Beispiel unserer How-to-Lektüre.

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Disziplinarische Mitarbeiterführung
Anwendungsbeispiel