Existieren im Kanban-Prozess feste Regeln?

Grundregeln

Tatsächlich legt Kanban einen großen Wert auf Konkretisierung und klare Regeln, auch wenn es in anderen Teilbereichen wiederum hohe Freiheitsgrade gibt (siehe unten). Eine grundsätzliche Regel ist, dass Sie sich an die verbindlich festgelegte Prozessfolge halten müssen. Kanban ergibt nur mit vorab klar definierten Sequenzen einen Sinn. Außerdem sind die Kriterien zur Priorisierung von Aufgaben vorab zu definieren. Anhand dieser Kriterien sind sämtliche Aufgaben zu ordnen und strukturiert entsprechend ihrer Wertigkeit abzuarbeiten. Das Maß an in Bearbeitung befindlichen (unfertigen) Aufgaben ist auf ein Minimum zu reduzieren. Hierfür sind trennscharfe Regeln notwendig, wann Aufgaben von einem Prozessschritt zum nächsten übergehen. Typischerweise wird hierfür ein pragmatisch ermittelter Auslastungsgrad der einzelnen Stufen berechnet. Unterschreitet der Auslastungsgrad die definierte Schwelle (typischerweise 90%), sind neue Aufgaben zu übernehmen.

Eine weitere Grundregel von Kanban ist die konsequente Verbesserungsmotivation. Jeder soll sich einbringen und daran arbeiten, das Ergebnis mit Verbesserungsvorschlägen sowie Verbesserungsmaßnahmen zu perfektionieren. Kanban beinhaltet neben seinen motivierenden Aspekten hierdurch auch einen Führungsaspekt. Im direkten Vergleich zu anderen Projektmanagementmethoden ist dieser Beitrag zur Mitarbeiterführung einzigartig.

Derartige Regeln sind notwendig, wenn es kein starres Durchschieben von Aufgaben wie beispielsweise am Fließband gibt. Dies ist in den meisten Anwendungsgebieten der Fall, in denen Kanban als Projektmanagementmethodik eingesetzt wird. Die konsequente Einhaltung der erwähnten Regeln führt zu einem Überblick und einem schnellen Bearbeitungsfortschritt. Priorisieren Sie die Aufgaben entsprechend ihres Wertbeitrags.

Meetings

Auch bei Kanban existiert – wie bei Scrum – ein tägliches Meeting zur Synchronisation des Projektteams. Es darf maximal 15 Minuten dauern und dient dazu, dass jeder seinen Status kommuniziert sowie dass man gemeinsam die Aufgaben des bevorstehenden Tages plant. Außerdem gibt es sogenannte „Operationsreviews“, die auf Basis quantitativer Fakten zur Fehleranalyse durchgeführt werden. Andere Meetings wie das Kickoff und Retrospektiven sind in Kanban nicht direkt vorgeschrieben oder gar in einen festen Ablauf eingeordnet. Sie sind jedoch häufig in der Praxis anzutreffen.

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Freiheitsgrade

Scrum weist bereits hohe Freiheitsgrade auf, indem das Entwicklungsteam prinzipiell frei darin ist, wie es das nächste Minimum Viable Product umsetzt. Keine klassische Methode weist derartige Freiheitsgrade auf. Kanban setzt aber in Sachen Freiheitsgrade noch einen drauf. Denn hinsichtlich mehrerer Aspekte genießt das Projektteam unbeschränkte Freiheiten:

  • Keine Mindest- oder Maximaldauer bei den Stufen/Sequenzen

  • Teams dürfen prinzipiell so groß sein und zusammenarbeiten wie gewünscht

  • Hierarchien und Expertenrollen sind erlaubt

  • Meetings stehen prinzipiell einem breiten Teilnehmerkreis offen

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